Ein Beitrag von Gianni Zuaboni, Fachexperte Sozialpsychiatrie beim VSP
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Menschen mit psychischer Beeinträchtigung haben Anspruch auf personenzentrierte, recovery-orientierte Angebote. Dies betonen die Weltgesundheitsorganisation, viele Fachorganisationen und auch der VSP in seinen Leitsätzen.
Im psychosozialen Bereich steht «Recovery» für eine Neuausrichtung, die Erfahrungen und Anliegen von Menschen mit psychischen Erkrankungen in den Mittelpunkt stellt. Der Slogan «Nichts über uns ohne uns» aus der Behindertenrechtsbewegung fordert die gleichberechtigte Einbeziehung Betroffener in alle sie betreffenden Entscheidungen und unterstreicht ihr Recht auf Partizipation, Selbstbestimmung und Mitsprache. Die UN-Behindertenrechtskonvention gibt dieser Forderung zudem eine rechtliche Grundlage.
Auf persönlicher Ebene wird Recovery als ein Weg verstanden, auf dem ein gutes Leben nicht erst am Ende steht, sondern trotz allfälliger Einschränkungen durch eine psychische Erkrankung und deren Folgen im Hier und Jetzt möglich ist.
Viele Faktoren sind auf diesem Weg bedeutsam; Hoffnung und Zuversicht werden von betroffenen Menschen besonders häufig genannt.
Die Ausrichtung einer Organisation wie dem VSP in Richtung Recovery kann ebenfalls als Weg oder Prozess beschrieben werden. Auch hier tragen viele Faktoren zum Gelingen dieses Prozesses bei. Im Folgenden betrachten wir vier übergeordnete Themen, um konkrete Massnahmen einordnen zu können.
Personenzentrierte Arbeitsweise
Eine passende Metapher für die personenzentrierte Arbeitsweise ist die eines warmen Mantels, der sich schützend um die Person legt. Recovery-orientierte Organisationen richten die Planung von Unterstützung und Begleitung konsequent an den Bedürfnissen und Anliegen der Person aus. Im Zentrum stehen dabei ihre Stärken, Ressourcen, Talente und Interessen sowie der individuelle Unterstützungsbedarf und das soziale Umfeld (Freunde, Familie und Gemeinde).
Erweiterte Formen der Beteiligung
Recovery-orientierte Organisationen gestalten die aktive Zusammenarbeit mit Nutzer:innen und Angehörigen – sowohl bei der Entwicklung von Angeboten und Dienstleistungen als auch bei deren Umsetzung und Evaluation. In diesem Zusammenhang kommt der Peerarbeit innerhalb der Organisationen eine wichtige Rolle zu.
Im VSP stärken wir mit dem Projekt PeerKompass den nachhaltigen Aufbau der Peerarbeit. Mit Martina Radmiller und Dirk P. Flörchinger arbeiten bereits zwei Peers im VSP.
Selbstbestimmung und Wahlmöglichkeiten
Im Zentrum steht das Recht der Menschen, in allen Aspekten ihres eigenen Recovery-Weges selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen und Wahlmöglichkeiten zu nutzen. Dies betrifft die Festlegung persönlicher Ziele und gewünschter Ergebnisse sowie die Wahl der bevorzugten Formen von Begleitung und Unterstützung, die zur Erreichung dieser Ziele in Anspruch genommen werden.
Wachstumspotenzial
Der Fokus liegt auf der inhärenten Fähigkeit jedes Menschen, zu genesen – unabhängig davon, ob er im Moment von der Beeinträchtigung überwältigt ist, mit ihr kämpft, sich mit ihr abgefunden hat oder über sie hinauswächst. Dazu gehört die Bewertung der positiven Veränderungen in Richtung Wachstum und auch die Anpassung von Angeboten, um die Fortschritte zu verbessern.
Auf dem Weg zu Recovery gibt es viele einzelne Schritte. Grundsätzlich ist es eine Einladung an uns alle im VSP, der Frage nachzugehen, was ein gutes Leben ausmacht.
Wir freuen uns sehr, dass wir ab Mitte 2026 verschiedene neue Lernformate für Nutzer:innen und Mitarbeitende anbieten können, um diesen Prozess zu begleiten und zu stärken. Für Personen, die Menschen in Recovery begleiten, startet der Kurs «Recovery praktisch!» Mit «Wanderkafi Happyness – bald au bi dir» schaffen wir ein neues Format, das Interessierte einlädt, sich fundiert und persönlich mit psychischer Gesundheit auseinanderzusetzen.